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Parforcejagd
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Die Parforcejagd (französisch par force ‚mit Gewalt‘) ist eine Hetzjagd, bei der die jagende Hundemeute zu Pferd begleitet wird. Sie war bereits den Kelten bekannt und erfreute sich insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert an den europĂ€ischen FĂŒrstenhĂ€usern großer Beliebtheit. Der hohe Aufwand, den diese Art zu jagen mit sich bringt, beschrĂ€nkte sie in der Zeit vor den napoleonischen Kriegen auf den Adel. Die Parforcejagd wird auch heute noch betrieben, beispielsweise in Frankreich, den USA und Australien. In Deutschland sind Hetzjagden auf Wildtiere verboten. Die Parforcejagd wurde durch das Jagdreiten ersetzt, bei dem keine Wildtiere gejagt werden, sondern die Hundemeuten einer kĂŒnstlich gelegten Duftspur folgen.

Contents

‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Parforcejagd

Bei der Parforcejagd sucht und verfolgt eine entsprechend ausgebildete Hundemeute aus Bracken oder Laufhunden die FĂ€hrte von Hirschen, FĂŒchsen, Wölfen oder Wildsauen. Die JĂ€ger und die Piköre, welche die Meute begleiten und lenken, reiten auf Pferden mit und verstĂ€ndigen sich ĂŒber Trompes de Chasse, bis die Hunde das Wild decken (stellen). Das Parforcehorn diente ursprĂŒnglich als Signalinstrument fĂŒr die Parforcejagd. Die Hunde sind langsamer als das Wild, beispielsweise Hirsche, haben aber eine ĂŒberlegene Ausdauer und ermĂŒden es somit. Die Hunde stellen nur das Wild und ein JĂ€ger fĂ€ngt es ab.

Die Jagdteilnehmer folgen der Meute zu Pferde. Bei einer Parforcejagd in der freien Landschaft ist der Weg, den die Jagdgesellschaft nimmt, unvorhersehbar. Er wird vom kilometerlangen Fluchtweg des Wildes bestimmt. FĂŒr die Parforcejagd werden große FlĂ€chen benötigt.

In Deutschland wurden in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts die Parforcejagden von den Schleppjagden abgelöst. Mit dieser neuen Jagdform hat sich eine deutsche Jagdtradition entwickelt. Es erklangen auf den Jagden mit Hundemeuten nicht mehr die Hörner mit den Fanfaren der „chasse Ă  courre“ aus Frankreich, sondern ĂŒberwiegend Parforcehörner in Es. Die Fanfaren dieser Hörner ĂŒbernahm man damals grĂ¶ĂŸtenteils von der preußischen Kavallerie, zu der eine sehr enge Verbindung bestand. Jagdliche Hornmusik mit den musikalischen Stilelementen der Kavalleriemusik in ihren Fanfaren und Signalen schließt heute an diese Tradition der Schleppjagden mit in Es gestimmten Parforcehörnern an. Oft als Doppelhörner zusĂ€tzlich auch in B gestimmt ausgefĂŒhrt, passt das Parforcehorn auch wunderbar zu dem kleinen FĂŒrst-Pless-Horn und ist mit diesem „gemischt“ auch in B zu hören.

FĂŒrstliche Parforcejagd im 17. und 18. Jahrhundert

Im spÀten Mittelalter jagten Wohlhabende und Adlige mit Pferden und Hunden. Wie auf dem Jagdteppich des Herzogs von Devonshire aus dem 15. Jahrhundert zu sehen ist, wurden elegante Gesellschaftsjagden veranstaltet, bei denen das Springen nicht im Vordergrund stand.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die fĂŒrstliche Parforcejagd in Frankreich, England und Deutschland mit großem Aufwand betrieben. Es wurden Meuten mit mehreren hundert Hunden gehalten.cite-ref-jagdzeitung-1-0[1]

Jagdschlösser und Schneisen

Diese Jagdform erforderte neue Jagdanlagen, da die Reiter fĂŒr den schnellen Ritt möglichst ebene und offene GelĂ€nde mit vielen Schneisen (Gestellen) benötigten. WĂ€lder wurden speziell zu diesem Zweck hergerichtet, wie beispielsweise die Parforceheide in Brandenburg zwischen Berlin und Potsdam mit dem Jagdschloss Stern, das vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in Auftrag gegeben und zwischen 1730 und 1732 errichtet wurde. Bereits einige Jahre zuvor, zwischen 1722 und 1724, hatte Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt in Langen, ca. 15 Kilometer sĂŒdlich von Frankfurt am Main, das Schloss Wolfsgarten bauen lassen. Es entsprach dem damals gĂ€ngigen Muster fĂŒr Jagdschlösser. Wegen der hohen Kosten gab es in Deutschland im 18. Jahrhundert nur circa 10 solcher Parforce-JagdausrĂŒstungen, neben den oben genannten u. a. auch beim Sternhaus nahe Gernrode im Harz und am Hof der mecklenburgischen Herzöge in Ludwigslust.

Unterhalb der nordhessischen Sababurg wurde im Tierpark Sababurg 1779 nach den WĂŒnschen des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel ein Rondell (Jagdstern) fĂŒr die Parforcejagd angelegt. Auf ihn fĂŒhrten sternförmig Schneisen zu, die noch heute als Eichenalleen zu erkennen sind. Den sĂŒdlichen Teil des Naturparks Rheinland, westlich der GroßstĂ€dte Köln und Bonn in Nordrhein-Westfalen gelegen, durchzieht ein spinnennetzartiges Wegesystem, das auf das ehemalige Schloss Herzogsfreude in Röttgen ausgerichtet ist. Diese Schneisen ließ im 18. Jahrhundert KurfĂŒrst Clemens August von Köln zum Zwecke der Parforcejagd anlegen.

UmweltschÀden

Die Parforcejagd im fĂŒrstlichen Rahmen erforderte große und geschlossene Terrains. Es wurden WildgĂ€rten angelegt, die zum Teil mehrere Tausend Hektar groß waren. Kilometerlange WĂ€lle, ZĂ€une und Mauern umgeben die Wildparks, um das Wechseln des Wildes in fremde Jagdgebiete zu verhindern und FlurschĂ€den zu vermeiden. Heute noch existiert eine Mauer um den Park von Schloss Chambord. In Frankreich befassten sich zahlreiche LandschaftsgĂ€rtner und Förster mit der Unterhaltung der WildgĂ€rten.

Zur Anlage der WildgĂ€rten wurden große LandflĂ€chen benötigt, welche schon in relativ kurzer Zeit ökologisch beeintrĂ€chtigt wurden. Es wurden Wege und Alleen eingerichtet sowie BĂ€ume angepflanzt. In den WildgĂ€rten fĂŒhrte die intensive Haltung von Hochwild zu WaldschĂ€den durch Wildverbiss. Dem begegnete man in Frankreich mit dem verstĂ€rkten Anbau der Buche, da an ihr kein Verbiss stattfindet. Dies fĂŒhrte zu Monokultur mit negativen Folgen fĂŒr den Naturhaushalt. Die Wasserversorgung der kĂŒnstlich bepflanzten WildgĂ€rten war schwierig. Es musste vielfach Wasser aus FlĂŒssen umgeleitet werden, um die standortfremden BĂ€ume mit Wasser zu versorgen und den Tieren eine TrĂ€nkmöglichkeit zu bieten.

Große Mengen an Tieren wurden in anderen Gegenden eingefangen und in die WildgĂ€rten gebracht, damit dort ein großer Tierbestand erreicht wurde. Dazu musste auch auf nichtheimische Arten aus zum Teil weit entfernten Gebieten zurĂŒckgegriffen werden. Es entwickelte sich in Europa ein reger Transport von Wildtieren. Der Besatz mit nichtheimischen Arten belastete die Ökosysteme.

Die Parforcejagd in Jagdgebieten außerhalb der WildgĂ€rten verursachte hĂ€ufig FlurschĂ€den durch Wild, da das Jagdrecht eine Regulierung des Wildes zum Nutzen der Landwirtschaft hĂ€ufig nicht vorsah.

Kritik an der Parforcejagd in der AufklÀrung

Die Parforcejagd konnte der Bauernschaft, aber auch adligen Grundbesitzern vielfach große SchĂ€den verursachen, ohne dass ausreichende Kompensation gewĂ€hrt wurde. Insbesondere der Feldschaden, der durch das Wild angerichtet wurde, konnte verheerende Ausmaße erreichen. Daher wurde das Thema wĂ€hrend der AufklĂ€rung immer wieder als drastische Sozialkritik aufgegriffen. Das Gedicht Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen des Lyrikers Gottfried August BĂŒrger (1747–1794) ist exemplarisch dafĂŒr:

Wer bist du, FĂŒrst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?
Wer bist du, FĂŒrst, daß in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebleut
Darf Klau’ und Rachen hau’n?
Wer bist du, daß, durch Saat und Forst
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? –
Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß, und Hund, und du verschlingst,
Das Brot, du FĂŒrst, ist mein.
Du FĂŒrst hast nicht bei Egg’ und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! –
Ha! du wÀrst Obrigkeit von Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!

Es bleibt allerdings zu bemerken, dass auch im 17. und 18. Jahrhundert die waidgerechte AusĂŒbung der Parforcejagd tunlichst unter Schonung der noch auf dem Halm befindlichen Frucht, d. h. in der Regel erst nach der Ernte zu erfolgen hatte. Von einer solchen waidgerechten AusĂŒbung der Jagd kann man in den meisten FĂ€llen auch ausgehen, denn die Jagd wurde als streng reglementierter Sport betrieben. Ein Gutteil der ausbleibenden Kompensationen dĂŒrfte auch auf der naturgemĂ€ĂŸ schwierigen Beweislage und der andererseits hohen Kostenbelastung durch die zu fĂŒhrenden Gerichtsprozesse liegen, die auch weniger begĂŒterte Adlige von der Geltendmachung etwaiger SchadensersatzansprĂŒche abhielt.

Parforcejagd vom 19. Jahrhundert bis heute

Parforcejagd in Deutschland

In Deutschland war die Parforcejagd in der freien Natur auch schon vor 1800 nicht so weit verbreitetcite-ref-jagdzeitung-1-1[1] wie in England oder Frankreich. Die Fuchsjagd benötigt möglichst große freie FlĂ€chen, die im waldreichen Deutschland selten waren. Im dichtbesiedelten Deutschland fehlte auch der Raum fĂŒr die Hirschjagd, die oft 30 km weit fĂŒhrt, bevor der Hirsch gestellt werden kann. Die Jagd auf Schwarzwild gestaltete sich in dieser Hinsicht einfacher. Die napoleonischen Kriege unterbrachen in Deutschland die aufwendige fĂŒrstliche Parforcejagd fĂŒr lange Zeit. Es wurden nach dem Wiener Kongress zunĂ€chst nur wenige Meuten gegrĂŒndet, und viele FĂŒrstenhĂ€user verzichteten ganz auf eine Meute. Die ehemaligen fĂŒrstlichen, prunkvollen Jagden entwickelten sich weiter und wurden schneller. Da die Landschaft inzwischen durch zahlreiche ZĂ€une und Mauern unterteilt war, musste gesprungen werden.cite-ref-2[2] Es wurden leichte, edle Reitpferde mit großem Springvermögen gezĂŒchtet, zum Beispiel der leichte Schlag der Trakehner, in die viel englisches Vollblut eingekreuzt wurde.

Meuten

Die königlich Hannöversche Meute, die aus 400 Hunden bestand, ging durch die französische Besetzung 1806 fast gĂ€nzlich verloren. Sie wurde nach dem Wiener Kongress 1815 mit Harriern neu gegrĂŒndet. Sie gehörte bis 1866 zum englischen Königshaus. Nachfolger war die Foxhound-Meute des MilitĂ€rreitinstitut Hannover, die von 1866 bis 1914 bestand.cite-ref-k-nig-3-0[3]

Am preußischen Hof gab es von 1827 bis 1914 eine Foxhound-Meute, mit Kennels im Grunewald. Kastenjagden auf Schwarzwild. 1914 jagten 30 Koppeln (das entspricht 60 einsatzbereiten Hunden, insgesamt vermutlich ca. 75 Hunde), die im Ersten Weltkrieg ihr Ende fanden.cite-ref-k-nig-3-1[3]

In Böhmen, das zu Österreich-Ungarn gehörte, grĂŒndete Graf Kinsky um 1830 auf Schloss Karlskron die Pardubitzer Hirschmeute. Kinsky war Master der aus 40 Koppeln Foxhounds bestehenden Meute. Er zĂŒchtete das Kinsky-Pferd, eine neue Jagdpferderasse.cite-ref-k-nig-3-2[3]

Im Gesetz, betreffend die Grundrechte des deutschen Volkes von 1848 wird in Paragraf 37 das Vorrecht der Landesherren und des hohen Adels, auf fremdem Grund und Boden zu jagen, aufgehoben.cite-ref-4[4] Obwohl das Gesetz hĂ€ufig nicht beachtet wurde, schrĂ€nkte es die Parforcejagd mit ihrer unvorhersehbaren WegfĂŒhrung ein.

Kastenjagd

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der Meuten, insbesondere in Mecklenburg, Pommern, Brandenburg und Preußen wieder zu. Insbesondere nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870–1871 nahm die Parforcejagd in Deutschland wieder Aufschwung. Einerseits kamen diverse Meutenhunde von Frankreich nach Deutschland, andererseits wurde Deutschland geeint und das Deutsche Reich gegrĂŒndet. Dieser Aufschwung hielt bis zum Ersten Weltkrieg an. Es waren jedoch vorwiegend kleinere, zweckorientierte, sportliche Meuten, die vom Landadel und MilitĂ€r betrieben wurden und nicht der ReprĂ€sentation dienten. SpĂ€ter kam das durch die industrielle Revolution erstarkte BĂŒrgertum dazu, das aber aufgrund seiner stĂ€dtischen Wurzeln die Jagd zu Fuß hĂ€ufig vorzog.

Bei diesen Jagden wurde hĂ€ufig erst mehrere Schleppen gelegt, bevor dann Kastenwild ausgesetzt wurde, das die Hunde in einem letzten Run dann decken sollten. Kastenwild war Wild, das in einem Kasten transportiert wurde. Es wurde entweder in einem Wildpark aufgezogen oder im Voraus eingefangen. Das Kastenwild hatte aufgrund mangelnder Erfahrung und des oftmals geringen Vorsprungs, der ihm gewĂ€hrt wurde, wenig Chancen den Hunden zu entkommen. Schwarzwild konnte mitunter schon einen Kilometer nach dem Aussetzen von den Hunden gestellt werden. Hirsche hatten bessere Chancen den JĂ€gern zu entkommen. Kastenjagden wurden bereits zeitgenössisch als unwaidmĂ€nnisch kritisiert. Die Schleppen der Kastenjagden ließen sich im Gegensatz zu den Wildjagden planen, so dass nur ein geringer Teil der Jagdstrecke unvorhersehbar war. Nachteil war die umstĂ€ndliche und teure Aufzucht des Kastenwildes. Insbesondere beim MilitĂ€r lag das Augenmerk auf der ErtĂŒchtigung, und so wurde eine planbare Jagdstrecke bevorzugt, die man mit hohen Hindernissen, WĂ€llen und breiten GrĂ€ben anspruchsvoll gestalten konnte. Aus dieser Tradition entwickelten sich die Jagdrennen.

WĂ€hrend des Ersten Weltkriegs wurden die meisten Meuten aufgelöst und es ĂŒberlebten jeweils nur wenige, meist halb verhungerte Hunde den Krieg. Viele Hunde gelangten nach Frankreich und England. Zwischen den Kriegen wurden zwar viele Meuten gegrĂŒndet, die Kastenjagden setzen sich aber wegen der hohen Kosten nicht mehr durch. Stattdessen wurden vorwiegend Schleppjagden geritten. Die deutsche Parforcejagd ist aus diesen GrĂŒnden nicht mit der großen Tradition in England oder Frankreich vergleichbar.cite-ref-5[5] Viele JagdbrĂ€uche und Meutenhunderassen stammen aus Frankreich und England.

Ende der Parforcejagden und heutige Jagdreiterei

In Deutschland wurde die Parforcejagd auf lebendes Wild im Nationalsozialismus von Hermann Göring durch die Verordnung zur ErgĂ€nzung des Reichsjagdgesetzes vom 29. Juli 1936 verboten;cite-ref-6[6] das Reichsjagdgesetz datierte vom 3. Juli 1934.cite-ref-7[7] 1939 wurde nach der Annexion das Verbot auf Österreich ausgedehnt. Bernd E. Ergert, Direktor des Deutschen Jagd- und Fischereimuseums in MĂŒnchen, sagte zu dem Verbot: „Die Adligen waren sehr erbost, aber sie konnten wegen des totalitĂ€ren Regimes nichts dagegen unternehmen.“cite-ref-verboten-8-0[8]

Der Zweite Weltkrieg beendete auch das Jagdreiten. Wenige Meutenhunde ĂŒberlebten und wurden nach dem Krieg von den britischen und französischen Besatzungstruppen ĂŒbernommen. WĂ€hrend der Besatzungszeit ritten die Briten Parforcejagden in der LĂŒneburger Heide, in der Gegend von OsnabrĂŒck und betrieben in der Senne eine Bloodhound-Meute. Die Franzosen jagten in der Zeit von 1949 bis 1952 in WĂŒrttemberg (Rallye Wurtemberg mit 25 Koppeln Angelo-Poitevins auf Hirsche, Kennels bei TĂŒbingen).cite-ref-9[9] Das Bundesjagdgesetz, das 1953 in Kraft trat, verbot mit jeder Hetzjagd auch die Parforcejagdcite-ref-10[10].

Die heutigen Reit- und Schleppjagden in Deutschland sind ein sportliches Ereignis und keine Jagd auf Wildtiere. Es ist ein schneller langer Ausritt in einer großen Gruppe mit oder ohne Hundemeuten auf einer vorbereiteten Jagdstrecke mit Hindernissen. Zuschauer werden an AussichtsplĂ€tze, an denen die Jagdstrecke mit SprĂŒngen einsehbar ist, gefĂŒhrt. Das Wild wird durch eine Reiterin ersetzt, die oft einen Fuchsschwanz als Beute mit sich fĂŒhrt.

Fuchsjagd in Großbritannien

Die Parforcejagd auf den Fuchs wurde in Großbritannien in den spĂ€ten 1700er Jahren populĂ€r, als andere Wildarten wie Wildschweine und Hirsche selten wurden oder unter Schutz standen.cite-ref-11[11] Bis zu ihrem Verbot 2005 hatte die Fuchsjagd eine lange und ungebrochene Tradition, die nur kurz durch die beiden Weltkriege beeintrĂ€chtigt wurde.

MacDonald (1993)cite-ref-macdonaldref-12-0[12] untersuchte in den 1970ern/1980ern 81 Jagdreviere in England und schreibt: „In einer siebenmonatigen Saison jagt eine Meute von Foxhounds im Schnitt an 2,5 Tagen pro Woche. Zu einer Jagd gehören durchschnittlich 120 zahlende, berittene Mitglieder, und an einem Jagdtag können 50 Reiter und 20 bis 100 Autos der Jagd folgen. Die Meute jagt auf FarmgelĂ€nde (etwa ein Drittel der Bauern ist selbst aktiv beteiligt, wĂ€hrend 2,2 Prozent die Hunde nicht gern auf ihrem Land sehen oder es sogar fĂŒr die Jagd sperren). (
) Zu traditionellen Meuten kann ein ‚Baustopfer‘ gehören, der im Morgengrauen die Fuchslöcher der Umgebung verschließt, damit die FĂŒchse den Tag nicht unter der Erde verbringen können. Die rund 40 Hunde durchstöbern nun die Umgebung und ‚stoßen den Fuchs heraus‘ (sie scheuchen ihn auf). Ein bis vier FĂŒchse werden an einem Durchschnittstag herausgestoßen, und einige davon werden dann gejagt. Die Verfolgungsjagd dauert im Allgemeinen weniger als eine Stunde.“ Manchmal wechselt die Meute auch von einem Fuchs zum anderen, oder ein Fuchs wird mehrmals hintereinander gejagt. „Etwa die HĂ€lfte der erbeuteten FĂŒchse kommt durch Hunde zu Tode, die andere HĂ€lfte wird geschossen, nachdem Terrier sie aus dem Bau ‚gesprengt‘ haben.“

Der Versuch, die Parforcejagd auf FĂŒchse in Großbritannien gesetzlich zu verbieten, fĂŒhrte zu erhitzten Debatten und wissenschaftlichen Untersuchungen. So wurde sie in Großbritannien zeitweise nur in bestimmten Gegenden und unter Auflagen erlaubt. Neben Tierschutzfragen hatte die Auseinandersetzung um ein Verbot der Fuchsjagd immer auch einen gesellschaftspolitischen Hintergrund, da mit der Fuchsjagd viele ArbeitsplĂ€tze in Verbindung standen. Die Bauern betrachten die Fuchsjagden traditionell als nĂŒtzlich, da sie sich davon eine EindĂ€mmung der FĂŒchse versprechen, die ihre LĂ€mmer bedrohen.

Am 15. September 2004 stimmte die Mehrheit des britischen Unterhauses fĂŒr das vollstĂ€ndige Verbot der Fuchsjagd zu Pferde (Hunting Act 2004). Vorausgegangen war mit der Burns Inquiry eine Untersuchung, inwieweit die Jagd tierschutzrechtlichen Bestimmungen entspricht. Sie befasste sich nicht nur mit der Hetzjagd auf FĂŒchse, sondern auch mit der Hasenhetze. Trotz mehrerer Demonstrationen (z. B. Countryside Alliance March in London), bei denen sich große Teile der Landbevölkerung gegen ein Verbot starkmachten, wurde am 18. November 2004 vom Unterhaus gegen den Widerstand des House of Lords ein Gesetz verabschiedet, das die Hetzjagd mit Hunden ab 18. Februar 2005 in England und Wales verbot. In Nordirland blieb die traditionelle Fuchsjagd weiterhin legal. Seit dem Verbot der Parforcejagd ist in England die Zahl der Schleppjagdmeuten angestiegen.cite-ref-13[13]cite-ref-14[14] Auch heute noch hat die Schleppjagd, welche die Fuchsjagd ablöste, eine große gesellschaftliche Bedeutung.

Parforcejagd in Frankreich

In Frankreich waren die Voraussetzungen fĂŒr die Parforcejagd besser als in Deutschland. Es ist weniger dicht besiedelt und bietet mehr Raum fĂŒr die Parforcejagd auf Schwarzwild, Reh und Hirsch, die gute Chancen haben zu entkommen.cite-ref-15[15] In der Folge der Französischen Revolution lösten sich die fĂŒrstlichen Meuten zwar auf,cite-ref-16[16] es entstanden aber neue Meuten, und die Parforcejagd erlebte unter Napoleon Bonaparte eine BlĂŒtezeit. Weder der Deutsch-Französische Krieg noch die beiden Weltkriege brachten die Jagdreiterei zum Erliegen, sodass sich in Frankreich eine große Jagdtradition entwickeln konnte.cite-ref-17[17] Je nach lokalen Traditionen und Gegebenheiten werden Schleppjagden oder Parforcejagden, die auf Französisch chasse Ă  courre heißen, veranstaltet.cite-ref-18[18]

Parforcejagd in DĂ€nemark

Aus dem Bestreben, möglichst gute Bedingungen fĂŒr die Parforcejagd zu erreichen, entstand in Nord-Seeland im Laufe der Zeit ein eigener, nach den Prinzipien der barocken Landschaftsgestaltung aufgebauter Landschaftstyp, der als Parforce-Jagdlandschaft Nordseeland zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde.

Siehe auch

‱ Jagdmusik

Literatur

‱ Caroline Blackwood: Tally-Ho. Über die englische Fuchsjagd, Rio Verlag, ZĂŒrich 1992, ISBN 3-9520059-2-4
‱ BeitrĂ€ge von A. Corvol, J Buridant und I. Trivisani-Moreau in XVIIe SiĂšcle Nr. 226, 57. Jahrgang 2005, S. 3–40
‱ Wilhelm König: Die Schleppjagd, Olms-Verlag, Hildesheim, ZĂŒrich, New York, 1999, ISBN 3-487-08407-4
‱ Hanns Friedrich von Fleming: Der vollkommene teutsche JĂ€ger. J.C. Martini, Leipzig 1749, Von dem Par-Forçe Jagen, S. 294 ff. (Digitalisat online).

Weblinks

Commons

: Parforcejagd

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Tumulte in London: Britisches Parlament verbietet Fuchsjagd. In: ZeitZeichen auf WDR 5 vom 15. September 2024, ARD Audiothek, abgerufen am 20. September 2024.
‱ BĂŒrger-Gedicht bei Projekt Gutenberg
‱ BĂŒrger-Gedicht bei UB Bielefeld, dort Position 151.

Einzelnachweise

cite-note-jagdzeitung-11. ↑ Allgemeine Forst- und Jagd-Zeitung, Nr. 45, 4. Juni 1825, Band 1, Verlag J. D. SauerlĂ€nder Beschreibung der Jagd des Herzogs Carl Eugen von WĂŒrttemberg. S. 217 ff im PDF-Dokument
cite-note-22. ↑ Tamsin Pickeral, Das Pferd, 2007, Köln, S. 172, ISBN 978-3-8321-7794-2
cite-note-k-nig-33. ↑ Wilhelm König, Die Schleppjagd, 1999, Olms, Hildesheim, ZĂŒrich, New York, S. 65, 66 und 67
cite-note-44. ↑ Grundrechte 1848
cite-note-55. ↑ Wilhelm König, Die Schleppjagd, 1999, Olms, Hildesheim, ZĂŒrich, New York, S. 1, 12f.
cite-note-66. ↑ RGBl., 1936, I, S. 578 bei ALEX Historische Rechts- und Gesetzestexte online – ein Angebot der Österreichischen Nationalbibliothek
cite-note-77. ↑ RGBl., 1934, I, S. 549 bei ALEX Historische Rechts- und Gesetzestexte online – ein Angebot der Österreichischen Nationalbibliothek
cite-note-verboten-88. ↑ David Harrison, Tony Paterson: Thanks to Hitler, hunting with hounds is still verboten, The Telegraph, 22. September 2002. Abgerufen am 19. Mai 2010 (englisch).
cite-note-99. ↑ Wilhelm König: Die Schleppjagd. 1999, S. 16 f. und 91.
cite-note-1010. ↑ sogen. Sachliches Verbot nach § 19 Abs. 1 Ziffer 13 Bundesjagdgesetz
cite-note-1111. ↑ Vixens of Venery: Women, Sport, and Fox-Hunting in Britain, 1860-1914, Erica Munkwitz, Critical Survey, Vol. 24, No. 1, Sporting Victorians (2012), Seiten 74–87 (Seite 75)
cite-note-macdonaldref-1212. ↑ D. MacDonald: Unter FĂŒchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck-Verlag, MĂŒnchen 1993, 253 S.
cite-note-1313. ↑ Ruth Bloomfield: All about drag hunting, Horse & Hound, 7. Januar 2005. Abgerufen am 20. Januar 2012 (englisch).
cite-note-1414. ↑ Webseite der englischen The Masters of Draghounds and Bloodhounds Association. Abgerufen am 20. Januar 2012 (englisch).
cite-note-1515. ↑ Un instinct naturel dĂ©veloppĂ©, SociĂ©tĂ© de VĂšnerie
cite-note-1616. ↑ Handbuch "Jagdreiten": ein Leitfaden fĂŒr "Schleppjagd" und "Reitjagd ohne Hunde"; Meutekatalog, Jagdordnung, Organisation, Brauchtum (= Edition Pferd). FN-Verl. der Dt. Reiterlichen Vereinigung, Warendorf 1999, ISBN 978-3-88542-347-8, S. 21. Fehler in Vorlage:Literatur – *** Parameterproblem: Dateiformat/GrĂ¶ĂŸe/Abruf nur bei externem Link
cite-note-1717. ↑ La VĂšnerie sous le Premier Empire (1802-1814), SociĂ©tĂ© de VĂšnerie
cite-note-1818. ↑ Drags, Pau Hunt Drags